Yvonne Schippke von Mary & Yves

Im Rahmen unserer Reihe „Spotlight“ stellen wir euch immer eine unserer DesignerInnen vor. Dieses Mal haben wir uns für euch mit der Stylistin, Redakteurin und Goldschmiedin
Yvonne Schippke vom Label Mary & Yves getroffen. Die hübsche Urberlinerin hat gerade ihre neue Kollektion "Deux" gelauncht.

FACTS

Hallo Yvonne, schön, dass du da bist.

Danke, dass ich kommen durfte.

Zuerst wüssten wir gerne, woher der Name Mary & Yves kommt.

Bei meinen Freunden habe ich lauter verschiedene Spitznamen: Yvo, Ivy und eben auch Yves. Eigentlich alles, was man mit Yvonne anstellen kann. Mary ist der Name meiner Oma. Sie hat mir schon, als ich noch ganz klein war, ihren alten Schmuck geschenkt. Den habe ich aufgehoben und später neue Schmuckstücke daraus gemacht. So ging das dann alles los und daher kommt auch der Name meines Labels Mary & Yves.

Du bist nicht nur Schmuckdesignerin, sondern auch Stylistin und Redakteurin. Kannst du uns ein bisschen was über deinen Beruf erzählen?

Also eigentlich habe ich in Berlin Modedesign studiert und bin danach als Quereinsteigerin in die Schreiberei hereingerutscht. In Hamburg habe ich dann fast drei Jahre hauptsächlich als Redakteurin gearbeitet und dazu kam dann das Styling.

Wir haben dich mal gegooglet und gesehen, dass du bei dem Blonde Magazin im Impressum stehst…

Das ist tatsächlich das einzige Magazin, für das ich immer noch ab und zu schreibe. Früher deutlich mehr, da habe ich Themen recherchiert und darüber geschrieben, auch Interviews. Aber da ich nicht mehr so viel Zeit habe, schreibe ich nur noch unregelmäßig für die Blonde.

Und wie bist du dazu gekommen, Schmuckdesignerin und Goldschmiedin zu werden?

Nach Hamburg arbeitete ich selbstständig als Redakteurin und Stylistin und hab mich irgendwie immer mehr nicht nur für Schmuck interessiert, sondern wollte auch gerne selber welchen herstellen. Da ich freelance gearbeitet habe, hatte ich die Zeit, mich intensiver damit zu beschäftigen. Ich habe dann in Berlin eine mittlerweile über 70-jährige Goldschmiedekünstlerin aus Chile gefunden, die zwar nicht mehr arbeitet, aber in ihrem Atelier lebt. Über zwei Jahre hat sie mir alles das, was sie kann und weiß, beigebracht. Sie hat mir all ihre Geheimnisse verraten und währenddessen entwickelte ich meinen eigenen Stil und spielte mit Materialien und Formen. Irgendwann haben dann Freunde gesagt, dass sie meinen Schmuck toll finden und dass sie auch so etwas haben möchten. Deshalb habe ich einfach mal probiert, was daraus zu machen.

INSPIRATION & KREATIVITÄT

Wie läuft der Entstehungsprozess eines Produktes bei dir ab?

Also erstmal sammle ich alles, was ich kriegen kann, Fetzen von überall. Dann male und scribble ich ganz viel. Wenn ich dann die Idee habe und das alles steht, probiere ich es meistens erstmal in Messing aus. Wenn mir das Ergebnis gefällt, fange ich in Silber an. Ich habe Silberbleche, die ich mit Hilfe einer Schablone zusäge, danach geht es richtig los. Je nach dem was ich mache, muss das Silber zum Beispiel für Armreife oder Ringe gebogen und gelötet werden. Nur das Vergolden mache ich nicht selber, den Job gebe ich ab.

Du hast gerade deine neue Kollektion "Deux" fertiggestellt. Kannst du sie in drei Wörtern zusammenfassen?

Art déco, Erinnerungen und Minimalismus.

Klingt vielversprechend! Kannst du uns schon etwas verraten bezüglich der Formen, Materialien & Co.?

Ich habe auf klare, geradlinige Designs gesetzt, die zwar von Art déco inspiriert sind, aber sich weniger schnörkelig präsentieren. Besonders spannend: Dieses Mal gibt es zusätzlich zur klassischen weiblichen Linie eine kleine, schlichte Unisex-Kollektion. Musiker wie Prince, Stevie Nicks, Keith Richards, George Michael und Amy Winehouse dienten dafür als Inspirationsquelle. Was die Materialien angeht, arbeite ich wieder mit Sterlingsilber, massivem Messing und vergoldetem Sterlingsilber.

Am Ende war es mir wichtig, Schmuck zu kreieren, auf den man jeden Tag Lust hat und den man auch in 10 Jahren noch tragen möchte.

Wovon lässt du dich inspirieren?

Auf jeden Fall von der Stilrichtung Art déco. Egal ob es Möbel sind oder alter Schmuck. Dazu kommen natürlich Kunst und Architektur generell, aber auch interessante Menschen. Ich habe ganz viele Künstler in meinem Freundeskreis, die inspirieren mich immer total. Wie sie sind, wie sie reden, was sie erzählen, was sie tun, wie sie sich bewegen - also auf jeden Fall die Menschen in meiner Umgebung. Berlin mit all seinen Facetten ist auch eine Quelle der Inspiration, genau wie andere große Städte.

Gibt es denn noch andere Städte, die dich zum Leben reizen würden?

Der Klassiker London auf jeden Fall. Auch New York, wobei die Stadt wahrscheinlich echt heftig ist.

FASHION & PHILOSOPHIE

Jetzt wird es etwas philosophischer! Deine Designs sind geprägt von Kreisen. Warum magst du diese geometrische Form so gerne?

Eigentlich mag ich alles Geometrische, ob Kreise, Dreiecke, Vierecke - generell Ecken und Kanten. Wobei ich Kreise wirklich gerne mag. Ich glaube, das ist gar nicht mal so ein geometrisches Ding, sondern viel mehr die Erinnerung an alte Urlaube mit meiner Mum. Wenn wir uns dort Schmuck gekauft haben, waren das meistens Taler oder Kreise. Generell ist Geometrie halt nicht verspielt, nicht überladen. Es ist einfach nicht zu viel, dadurch ist es für mich harmonisch.

Für welche bekannte Person würdest du gerne mal ein Accessoire designen?

Hmm, schwierige Frage. Also wenn, dann Kate Moss. Sie hat einen tollen Stil und ich mag sie einfach als Type. Generell finde ich starke Frauen toll.

Gibt es für dich einen Unterschied zwischen Mode und Stil?

Ja, auf jeden Fall. Mode ist eigentlich alles, was unterwegs ist, was gerade passiert. Stil bist du selber - das, was du bist, wenn du ganz authentisch bist. Wenn du dich nicht verstellst, nicht verkleidest. Dann ist das dein Stil.

Gibt es für dich ein Styling No-Go?

Nicht wirklich, da bin ich ziemlich locker. Jeder soll anziehen, was er möchte. Wenn du dich wohlfühlst, fühlst du dich wohl.

Dein All-Time-Favorite?

Auf jeden Fall große Hemden, am liebsten weiße. Die passen immer, egal ob beim Job oder am Strand.

Wenn du ein Styling hast – gibt es da einen Stil, auf den du oft zurückfällst, wenn du freie Hand hast?

Wenn es eine ganz freie Produktion ist und mir alles offen steht, falle ich gerne in die 70er zurück, das ist eine richtig coole Generation gewesen.

Könntest du dir vorstellen, irgendetwas zu designen oder zu stylen, obwohl es dir persönlich gar nicht unbedingt gefällt?

Klar, das ist ja gerade die Kunst beim Styling – du musst dem Geschmack des Kunden gerecht werden. Beim Schmuck genau so: Wenn sich jemand ein bestimmtes Schmuckstück wünscht, muss es nicht unbedingt mein Geschmack sein. Ich versuche mich dann da hinein zu denken und am Ende wird es mir dann wahrscheinlich auch gefallen, weil ich den ganzen Prozess durchlebt habe.

Dann danken wir dir für das inspirierende Gespräch und freuen uns mit dir über deine neue Kollektion!

Danke euch!

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